Ich bin wieder da (Etappe 1)

Rothaarsteig Logo

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Heute ist Dienstag (also als ich begonnen habe, dies zu schreiben) und mein Urlaub ist leider vorbei. Ich bin trotzdem schon wieder um 10 vor 7 wach gewesen. Tja der Körper hat sich halt an einen Rythmus gewöhnt.

In den letzten Tagen habe ich mit Freunden etwas mehr als 154 Kilometer in 8 Tagen zu Fuß zurück gelegt. Naja ich habe eine Etappe ausgelassen, dazu aber später mehr.

Leider gab es in den Unterkünften am Rothaarsteig kein Internet. Überhaupt waren die Möglichkeiten der Kommunikation in dieser Gegend stark eingeschränkt. Es gibt in Deutschland Gebiete, die nicht mit Mobilfunk ausgestattet sind. Ich glaube, dass sich hier die 2% befinden, die zu den 100% Netzabdeckung fehlen. Daher werde ich hier nun chronologisch die Etappen aufarbeiten. Nach und nach werde ich eine Etappe nach der anderen verbloggen.

Es geht also los:

Erste Etappe
Die Fakten:

  • Abschnitt: BrilonWilligen
  • Tageskilometer: 18.9 km
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.1 km/h
  • Zeit: etwa 7 Stunden

Die Reise beginnt in Kiel um circa 6 Uhr am Morgen. Der Startpunkt der Wanderung befindet sich tief in Nordrhein-Westfahlen, mein zweitliebstes Bundesland, und da müssen wir erst mal hinfahren. Wir, das sind meine Schwester, ihr Freund Marcel, sein Kollege Daniel, und dessen Freundin Nadja, unser gemeinsamer Freund André und ich. Der gemeinsame Treffpunkt und Startpunkt der Wanderung heißt Brilon Petersborn. Das ist ein kleiner Ort südlich von Brilon, dem eigentlichen Startpunkt des Rothaarsteigs. Dort sind wir im Gasthof Hornig untergebracht. Das ist ein Gasthof, so wie man ihn sich vorstellt. Er hat eine kleine gemütliche Kneipe mit Küche. Es gibt leckeres Bier und deftige Hausmannskost. Der Gasthof hat zu Recht das Qualitätssigel „Qualitätsbetrieb Rothaarsteig“ und wird daher von den Ferienveranstaltern für Rothaarsteigwanderer verwendet.

Es ist ein heißer und trockener Tag geworden, als wir am Gasthof am frühen Nachmittag eintreffen. Daher löschten wir unseren Reisedurst erst ein Mal mit einem leckeren Alsterwasser, Radler, wie auch immer, denn bei den klassischen Mischgetränken hat wohl die EU noch keinen Standard durchsetzen können. Mal wird das Alster/Radler mit Orangenlimonade, mal mit Zitronenlimonde gereicht. Wenn man sicher gehen will, einfach nachfragen oder „Bier mit Zitronenlimonade“ bestellen.

Am Abend trafen Nadja und Daniel ein und wir besprachen die erste Etappe. Wir freuten uns riesig auf den nächsten Tag. Ein kleines Wärmegewitter kühlte die Luft ab und versprach einen nicht zu heißen Beginn. Am späten Abend und einige Bier später gingen wir alle schlafen. Untergebracht waren wir in den Ferienwohnungen des Gasthofes. Dabei handelte es sich um sehr große Wohnungen für Feriengäste. Sie sind mit allem ausgestattet, was man als Selbstversorger im Urlaub benötigt. Richtig ausgeruht und nach einem langen, ausführlichen Frühstück, gingen wir die erste Etappe an. Der Rothaarsteig geht wenige 100 Meter am Gasthof entlang und führt direkt auf die ersten Berge.

Der Rothaarsteig ist ein Wanderweg mit Konzept. Zur Jahrtausendwende wurden viele kleinere Wanderwege zum Rothaarsteig zusammengeführt. Begleitet wurde dies mit einem einheitlichen Erscheinungsbild und einer einheitlichen Vermarktung und einem einheitlichen Vertrieb des Rothaarsteigs. Der Wanderweg wurde ausgebaut und mit neuen, ergonomischen Möbeln ausgestattet. Diese Bänke findet man nicht ein zweites Mal auf einem Wanderweg und steigern das Gefühl, dass die Macher des Rothaarsteigs das Wohl des Wanderers sehr stark im Fokus hatten. Die Wegführung wurde etwas überarbeitet und perfekt ausgeschildert. Als Wanderer kann man sich eigentlich nicht verlaufen. Es wurden Pensionen und Gasthäuser ausgewählt, die den Ansprüchen der Macher des Rothaarsteigs entsprachen und verhalfen so zu einer besseren Auslastung und Vermarktung. Der Rothaarsteig führt durch das Rothaargebirge zwischen Brilon und Dillenburg. Er befindet sich auf der Wasserscheide zwischen Rhein und Weser. Auf diesem Wanderweg befinden sich wohl die meisten Quellen bekannter Flüsse wie „Dill“, „Eder“, „Sieg“ oder der „Ruhr“. Der Rothaarsteig führt durch das größte Mittelgebirge (nicht das höchste) Deutschlands über die beiden höchsten Erhebungen Nordrhein-Westfahlens, Langenberg und Kahler Asten, und bietet so atemberaubende Aussichten in das Land.

Die erste Etappe führt uns nach Willingen. Luftlinie ist dieser Ort sehr nah an Brilon, jedoch führt der Rothaarsteig zunächst weg von unserem Etappenziel zu einer alten Siedlung. Hier befindet sich auch eine kleine Kapelle und die erste Aussicht auf das Gebirge.

Kapelle

Kapelle

Bis hier hin war der Weg nicht schwer. Es gab kaum anspruchsvolle Aufstiege und nur die Hitze machte uns etwas zu schaffen. Ich habe circa 4 Liter Wasser und auf Grund der herrlich strahlenden Sonne auch eine Kopfbedeckung mitgenommen. Beides war auch notwendig, denn auch wenn der Weg noch nicht anspruchsvoll war, geschwitzt haben wir trotzdem. Daher sollte man dann auch dem Körper genügend Flüssigkeit zurückgeben. Später auf dieser Etappe teilt sich der Rothaarsteig normaler Weise in einen Höhenweg direkt über den Ginsterkopf und in eine Talvariante auf. Leider war der Höhenweg gesperrt. Wahrscheinlich durch Sturmschäden. Komischerweise war der Südzugang geöffnet. Mich hat dies etwas enttäuscht, denn im Wanderführer zum Rothaarsteig steht, dass man auf dem Höhenweg 360° Sicht auf das Rothaargebirge hat. Diese hätte ich gerne genossen. Nachdem der Rothaarsteig wieder zusammengeführt wurde hat man ungefähr die Hälfte der Etappe erwandert. Hier gibt es die „Feuereiche“. Wir hatten beschlossen ungefähr zur Halbzeit eine länge Rast zu machen. Durch unseren Reiseveranstalter haben wir im Pauschalangebot Lunchpakete mit auf dem Weg bekommen. Das erste Paket war fürstlich ausgestatet mit einem Liter Wasser, Süßigkeiten, einer Minisalami und vier Broten, sowie mit Obst.

Feuereiche

Feuereiche

Auf dem Rothaarsteig werden immer wieder an den entsprechenden Stellen mit Hilfe von Schautafeln Themen rund um den Wald oder Informationen über die Umgebung dargestellt. An der Feuereiche wird die Energiegewinnung mit Hilfe des Waldes erklärt. Besonderes Augenmerk wird hier auf das Heizen mit Holzpellets gelegt. Danach geht der Weg in Richtung Bruchhauser Steine weiter. Die Temperaturen stiegen enorm und auch die Luftfeuchtigkeit stieg. In der Ferne konnten wir ein leichtes Grummeln hören und wir befürchteten in ein Gewitter zu geraten.

Bruchhauser Steine

Bruchhauser Steine

An den Bruchhauser Steinen schien jedoch noch die Sonne und die Stimmung war, auch wegen der vielen lustigen Lieder meiner Schwester richtig gut. Ab hier jedoch überwindet der Weg circa 200 Höhenmeter. Der Richtplatz, hier befindet sich die Abzweigung nach Willingen, ist auf 800 Meter über NN. Dieser Anstieg trennte die Gruppe. Es war nicht nur drückend heiß, auch der Weg verlangt einiges ab. Auf dem Richtplatz war eine ausführliche Rast notwendig. Bis hier hin habe ich über 3 Liter Wasser verbraucht und nach dem letzten Anstieg zum Richtplatz auch richtig außer Atem.

Richtplatz

Richtplatz

Nach dem wir uns gestärkt haben ging es nun wieder abwärts auf circa 580 Meter über NN, denn Willigen befindet sich in einem Tal. Auf dem Abstieg konnten wir einen herrlichen Blick auf den Ort genießen. Jedoch änderte sich bald der Untergrund von Waldboden auf Pflastersteine oder Asphalt. Dies ist deutlich unangenehmer, denn Bergab federt der Boden nicht mehr nach. Es geht also Bergab deutlich langsamer vorwärts, da man vorsichtiger gehen muss. Dazu kam, dass die Pension leider sehr weit im Ort lag, ja Willingen selbst liegt weit ab vom Rothaarsteig. Die letzten Meter zum Etappenziel waren also sehr anstrengend und lang.

Willigen ist ein typischer Wintersportort. Es gibt Anlagen für künstlichen Schnee, Skilifte, Rodelbahnen und gerodete Schneisen im Wald bis in das Tal. Alles wird durch den Skisport bestimmt. Kein Wunder, denn Willingen ist Austragungsort eines internationalen Skisprungwettbewerbs.

Viadukt in Willigen - Uplandbahn

Viadukt in Willigen - Uplandbahn

Leider hatte die Pension, die Pension Kesper-Brünen, kein eigenes Restaurant. Meiner Meinung nach ist dies ein Nachteil und enttäuschend, denn nach einer langen Etappe kann man sich nur schwer wieder aufraffen um im Ort selbst sich dann zu stärken. Aber wir wurden durch ein absolut hervorragendes Restaurant in der Willingener Innenstadt vom Ort begeistert. Wir gingen in das Restaurant „Zum Kanapee“. Es gehört einer Familie, die auch das Restaurant „Zur alten Post“ betreiben. Als Speisekarte wird das Blatt „Willinger Postille“ gereicht. Hier findet man nicht zur die Speisen, sondern auch Informationen über den Ort und das Restaurant. Aber noch besser ist, dass man die Speisekarte als Andenken mitnehmen kann. Das Essen war sehr lecker und üppig. Ich empfehle auf jeden Fall einen Besuch.

Am Ende des Tages trafen wir uns im Aufenthaltsraum der Pension und spielten eine Runde. Mehr als ich gedacht habe, steckte die Etappe in meinen Knochen. Gott sei dank habe ich aber keine einzige Blase bekommen. Das machte mich sehr zuversichtlich, die höchste Etappe der Wanderung gut zu überstehen.

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2 Antworten zu Ich bin wieder da (Etappe 1)

  1. Schonzeit schreibt:

    in Willingen habe ich früher viel Urlaub gemacht. In einer kleinen Pension in der Nähe vom Viadukt. Das war eigentlich immer sehr schön da, bis auf die ganzen Sauerlandstern Touris, die durch die Stadt schwappen.

  2. Daniela schreibt:

    Da hat doch jemand auf seiner eigenen Geburtstagsparty bierselig (oder havanaselig) behauptet, ich würde jeden Tag eine SMS mit Infos von der Wandertour bekommen.
    Soviel dazu!

    Aber jetzt kann ichs ja nachlesen 😉

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